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Kreis Heinsberg & Region

Lebenshilfe Heinsberg entwickelt Begleitkoffer für Sterben, Tod und Trauer

Foto: Lebenshilfe Heinsberg

Gemeinsam entwickelt: Der neue Begleitkoffer unterstützt Bewohner und Angestellte beim Umgang mit Abschied, Sterben und Trauer. V. l. n. r.: Romy Riebe, Steven Cuthbert, Aileen Esklavon, Ebrar Bulut, Iris Speusser, Thomas Steinbusch und Guido Rothkopf.



Heinsberg. Im Rahmen ihrer Masterarbeit „Compassionate Care: Shaping Communities through Service Design in the Age of AI“ arbeitete die Service Designerin Ebrar Bulut von Mai bis August 2026 eng mit der Lebenshilfe Heinsberg zusammen. Im Austausch mit den Fachkräften der Wohnstätte Wassenberg ging sie emotionalen Fragen rund um Krankheit, Sterben und Trauer nach.

Iris Speuser verantwortet die Gesundheitliche Vorsorgeplanung (GVP) Palliativ in der Lebenshilfe Heinsberg. Sie kennt die Fragen die in schweren Zeiten beantwortet werden müssen: Wie können Menschen in einer emotional herausfordernden Situation gut begleitet werden? Was gibt Orientierung und wie können Trauer, Bedürfnisse und Erinnerungen Raum finden? „In den Wohnstätten der Lebenshilfe Heinsberg leben Menschen oft viele Jahre miteinander. Sie teilen ihren Alltag, unterstützen sich gegenseitig und bauen enge Beziehungen auf. Diese Verbundenheit zeigt sich besonders, wenn ein Mensch am Ende seines Lebens steht oder verstirbt – eine schwere Zeit für Bewohner und Angestellte gleichermaßen. Es ist uns sehr wichtig, dass wir mit diesen Fragen professionell umgehen“, erläutert Iris Speuser.

Gemeinsam mit Ebrar Bulut entwickelten und erprobten sie und ihre Kollegen unterschiedliche Materialien. In Gesprächen und Workshops in der Wohnstätte Wassenberg und Elmpt wurden Erfahrungen zusammengetragen und bestehende Rituale sowie Herausforderungen rund um Sterben, Abschied und Trauer betrachtet. Auch Steven Cuthbert und Aileen Esklavon, stellv. Wohnstättenleitungen, begleiten das Projekt mit und bringen das Selbstverständnis auf den Punkt: „Wir betreiben kein Pflegeheim. Wir bieten Menschen mit Behinderung ein Zuhause und einen Ort des Lebens und der Begleitung durch alle Phasen des Lebens. Trauern gehört sicherlich auch zum Alltag, aber wir wollen offen und individuell damit umgehen.“

Der Begleitkoffer sollte deshalb keine fertigen Lösungen vorgeben, sondern aus den tatsächlichen Erfahrungen und Bedürfnissen der Menschen entstehen. „Wenn Menschen viele Jahre bei uns leben, entstehen enge Beziehungen. Deshalb betrifft ein Abschied immer die Gemeinschaft. Uns war wichtig, etwas zu entwickeln, das Orientierung gibt und gleichzeitig Raum für individuelle Bedürfnisse und Trauer lässt“, erklärt Elke Pelzer, Angestellte der Lebenshilfe in der Wohnstätte Birgden.

Aus den Gesprächen und Workshops entwickelte Ebrar Bulut erste Materialien, die gemeinsam getestet und angepasst wurden. „Unsere Erfahrungen aus dem Alltag wurden von Anfang an in die Entwicklung einbezogen. Dadurch ist kein theoretisches Konzept entstanden, sondern etwas, das sich an den Situationen orientiert, die wir tatsächlich erleben“, berichtet Aileen Nagel, Fachkraft der Wohnstätte.

Auch Ebrar Bulut betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Der Begleitkoffer ist nicht am Schreibtisch entstanden. Er ist das Ergebnis vieler Gespräche, Workshops und Rückmeldungen. Die Offenheit der Teams hat es ermöglicht, die Materialien so weiterzuentwickeln, dass sie im Alltag wirklich unterstützen.“

Der Begleitkoffer enthält verschiedene Materialien für Angestellte und Bewohner:innen: Ein Leitfaden gibt Orientierung für die verschiedenen Phasen der Begleitung. Der „Wegbegleiter“ bündelt wichtige Kontakte und Informationen und erinnert daran, auch auf sich selbst zu achten. Eine Erinnerungskarte unterstützt beim gemeinsamen Erinnern und Gestalten von Trauerritualen. Der Befindlichkeits-Check-in schafft Raum für den Austausch im Team und Bedürfniskarten in Leichter Sprache helfen Bewohner:innen, Gefühle und Wünsche auszudrücken.

„Der Koffer gibt uns einen Rahmen, ohne vorzuschreiben, wie Trauer oder Abschied aussehen müssen. Die Materialien helfen uns, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam einen passenden Weg zu finden“, erklärt Elke Pelzer.

Ende Juli wurde das Projekt bei der Masterarbeitsausstellung der TH Köln präsentiert. Die Arbeit wurde zudem für den Kölner Design Preis 2026 nominiert. Inzwischen wurde der Begleitkoffer in einer Kleinserie produziert und in allen Wohneinrichtungen der Lebenshilfe Heinsberg ausgegeben.

„Wir möchten die Erfahrungen aus Wassenberg weitertragen. Der Begleitkoffer kann auch anderen Teams und Einrichtungen Sicherheit geben und einen würdevollen Umgang mit Abschied, Sterben und Trauer unterstützen“, fasst Guido Rothkopf zusammen.

So ist aus der Verbindung von Service Design und praktischer Erfahrung ein gemeinsam entwickeltes Werkzeug entstanden, das Menschen auch über die Masterarbeit hinaus in einer besonders schwierigen Lebensphase unterstützen kann.

Weitere Informationen zum Begleitkoffer und den Materialien erhalten Sie auf der Webseite der Lebenshilfe Heinsberg unter www.lebenshilfe-heinsberg.de 

Quelle: PM Lebenshilfe Heinsberg

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