Foto: Sanne Creuels Photography
Das Discovery Museum. Es verbindet die bewegte Industriegeschichte der Kohleregion mit modernen, interaktiven Erlebnissen rund um Wissenschaft, Technologie und die Zukunft unseres Planeten.
Im südlimburgischen Kerkrade, direkt an Herzogenrath gelegen, liegt das Wissenschafts- und Technikmuseum Discovery Museum. Es verbindet die bewegte Industriegeschichte der Kohleregion mit modernen, interaktiven Erlebnissen rund um Wissenschaft, Technologie und die Zukunft unseres Planeten – und macht damit Besuchern aller Altersgruppen einen Ausflug zur echten Entdeckungsreise.
Geschichte: Von der Kohle zum Wissensmuseum
Der Ursprung des heutigen Discovery Museums ist untrennbar mit der industriellen Entwicklung von Kerkrade und der gesamten Region verbunden. Im 19. Jahrhundert wurde hier, ebenso wie auf deutscher Seite in Alsdorf und Hückelhoven, in immer größerem Maßstab Steinkohle abgebaut, was der Gegend Wohlstand und eine enorme technische Entwicklung brachte – bis in den 70er Jahren zum letzten Mal nach Kohle geschürft wurde.
1998 öffnete das Museum erstmals unter dem Namen „Industrion“ seine Türen, mit einem klaren Schwerpunkt auf der Industriegeschichte der Region, insbesondere der Glas- und Keramikproduktion, dem Kohlebergbau und seinen gesellschaftlichen Auswirkungen.
2009 wandelte sich das Profil des Hauses grundlegend: Unter dem neuen Namen „Continium Discovery Center“ erweiterte es seinen Fokus auf ein breites Spektrum wissenschaftlicher und technologischer Themen. Dieser Wandel markierte den Übergang von einem reinen Geschichtsmuseum hin zu einem interaktiven Entdeckungszentrum.
Das Museum platzte bald aus allen Nähten und 2015 wurde es erheblich vergrößert. König Willem-Alexander eröffnete damals den sogenannten „Museumplein Limburg“, einen Museumsverbund von drei Häusern, zu dem neben dem Continium Discovery Center auch das Cube Design Museum und das Columbus Earth Theater gehörten. Dieses Angebot wurde sehr gut angenommen und es gab spektakuläre Designausstellungen, bevor die Corona-pandemie alles stilllegte. Unter dem neuen -Namen -„Discovery Museum“ begann die neueste Entwicklungsphase, die die drei Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach vereint.
Was erwartet Besucher?
Das Discovery Museum gilt als das größte Museum für Wissenschaft und Technologie im Süden der Niederlande. Das Angebot ist vielfältig und richtet sich an Familien, Schulklassen und neugierige Erwachsene gleichermaßen.
In der „Schatzkammer“ des Discovery Museums erzählen die Spitzenstücke der Sammlung ihre Industriegeschichte: Dampfmaschinen und Motoren, die Werkzeuge der Bergarbeiter, Maastrichter Keramik, Porzellan, Glas und Kristall.
„Revolution Earth“ ist eine einzigartige Erlebnistour über die Erde und ihre Rolle in der Zukunft. Die Tour führt durch außergewöhnliche Umgebungen, die die Erde in ihrer ganzen Pracht zeigen – und gleichzeitig einen Blick in eine mögliche Zukunft ermöglichen, die in den Händen der Besucher liegt.
Ein besonderes Highlight ist die aktuelle Ausstellung „Ai: the expo“, deren Mittelpunkt der neueste und fortschrittlichste humanoide Roboter der Welt bildet: Ami. Dieser Roboter beeindruckt durch ein lebensechtes Aussehen und bemerkenswerte Kommunikationsfähigkeiten und gibt einen einzigartigen Einblick in die Zukunft der künstlichen Intelligenz. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Oktober 2026.
Im „Science Theater & Lab“ können Besucher spannende Live-Shows erleben und Wissenschaft hautnah in Aktion sehen. Im Science Lab besteht die Möglichkeit, eigene Geräte zu bauen und mit nach Hause zu nehmen.
Es ist ein Erlebnis- und Lernort, der zeigt, wie eng Wissenschaft, Technik und Gesellschaft miteinander verbunden sind.
Ein Museum zwischen Vergangenheit und Zukunft - kommt das Einstein-Teleskop?
Das Discovery Museum ist weit mehr als ein klassisches Technikmuseum. Es kombiniert Elemente eines Wissenschaftsmuseums mit denen eines Industriekultur-Museums und zeigt, wie wissenschaftliche und technologische Entwicklungen das Alltagsleben und die Umwelt beeinflussen. Mit der Neuausrichtung wurde das Konzept weiter modernisiert:
• stärkerer Fokus auf Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Technologie
• neue Erlebniswelten und Ausstellungen
• intensivere Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen
Ein Beispiel dafür ist das eingerichtete Bildungszentrum zum Einstein-Teleskop, das wissenschaftliche Themen wie Gravitation und Astrophysik vermittelt. Dieses unterirdische Hightech-Observatorium zur Erforschung von Gravitationswellen könnte schon bald nahe Aachen in der niederländischen Provinz Limburg entstehen. Es wäre ein Jahrhundertprojekt für Wissenschaft, Wirtschaft – und die Region.
Es wäre das größte und empfindlichste Teleskop seiner Art in Europa – ein technisches und wissenschaftliches Meisterwerk von internationalem Rang. Doch nicht nur Forschende sind gespannt: Auch Kommunalpolitiker, Universitäten, Wirtschaftsförderer und Bürger sehen große Chancen – von neuen Arbeitsplätzen über wissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zur internationalen Sichtbarkeit der Region. Die Standortentscheidung fällt voraussichtlich Ende dieses Jahres. Für unsere Region sprechen viele Argumente: eine außergewöhnlich stabile geologische Formation – ideal für unterirdische Präzisionsmessungen – und die Nähe zu hochrangigen Forschungsinstitutionen wie der RWTH Aachen, der Universität Maastricht, der Eindhoven University of Technology, der Universität im belgischen Leuven, dem Forschungszentrum Jülich und vielen mehr. Hinzu kommt die bestehende Infrastruktur, politische Unterstützung und eine grenzüberschreitende Kultur der Zusammenarbeit.
Auf niederländischer Seite sind die Erwartungen und der Enthusiasmus groß, der Zuschlag für den Standort wird erwartet. 2024 wurden dort im Discovery Museum das Einstein Telescope Education Centre (ETEC) eröffnet: Schüler sollen dort die Möglichkeit haben, auf verschiedene Weise das Phänomen der Gravitationswellen kennenzulernen und selbst damit zu experimentieren. In den kommenden Schuljahren möchte ETEC das Programm auch belgischen und deutschen Schulen in der Euregio anbieten. Denn die Schüler von heute sind die, die man für das Thema begeistern muss, damit sie dann mit entsprechenden Abschlüssen in naturwissenschaftlichen Studienfächern 2035 die Arbeitsplätze beim Einstein-Teleskop besetzen können.
Wissenschaft zum Anfassen
Ein zentrales Ziel des Museums ist es, Wissenschaft verständlich zu machen. Besucher können Experimente durchführen, naturwissenschaftliche Phänomene erleben und aktuelle Themen wie Digitalisierung oder Klimawandel erkunden. Das Museum legt großen Wert darauf, Neugier zu wecken und kritisches Denken zu fördern.
Im Jahr 2023 feierte das Museum sein 25-jähriges Bestehen und erreichte rund 100.000 Besucher, was seine große Beliebtheit unterstreicht.
Weitere Informationen: www.discoverymuseum.nl/de/
(VM/KAM3)



