Foto: Krankenhaus Heinsberg
Heinsberg. Schlucken gehört zu den selbstverständlichsten Bewegungen unseres Körpers – und doch ist es ein hochkomplexer Vorgang. Mehr als tausend Mal am Tag transportiert die Speiseröhre Nahrung und Flüssigkeit vom Mund in den Magen. Wenn dieser Ablauf gestört ist, kann das für Betroffene sehr belastend sein: Nahrung bleibt hängen, Schlucken wird schmerzhaft oder Essen wird zur täglichen Herausforderung.
Um solche Beschwerden künftig noch genauer untersuchen zu können, hat das Krankenhaus Heinsberg sein diagnostisches Angebot erweitert. Mit der sogenannten hochauflösenden Impedanz-Manometrie steht nun eine moderne Untersuchungsmethode zur Verfügung, mit der sich Störungen des Schluckvorgangs deutlich früher und präziser erkennen lassen als bisher.
Wenn der Schluckvorgang aus dem Gleichgewicht gerät
„Panta rhei – alles fließt“, schrieb bereits der griechische Philosoph Heraklit. Auch der Schluckakt funktioniert im Idealfall wie ein fließender Prozess. Doch zahlreiche Faktoren können diesen Ablauf stören.
Der Schluckvorgang beginnt bewusst im Mund und wird anschließend automatisch gesteuert. Die Speiseröhre transportiert die Nahrung dann mit wellenartigen Muskelbewegungen – der sogenannten Peristaltik – in Richtung Magen. Schon kleine Störungen in diesem empfindlichen Zusammenspiel können dazu führen, dass der Transport nicht mehr reibungslos funktioniert.
Neue Technik erkennt Störungen früher
Mit der neuen hochauflösenden Impedanz-Manometrie lassen sich solche Funktionsstörungen erstmals bereits in sehr frühen Stadien sichtbar machen – oft zu einem Zeitpunkt, an dem ältere Untersuchungsmethoden noch keine Auffälligkeiten zeigen.
Für die Untersuchung wird eine sehr dünne Messsonde über die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Während der Patient kleine Schlucke Wasser oder Nahrung zu sich nimmt, misst die Sonde entlang der gesamten Speiseröhre die Druckverhältnisse der Muskelbewegungen sowie den Transport der Nahrung durch die Speiseröhre.
Dabei kommt ein zusätzliches Messverfahren zum Einsatz, die sogenannte Impedanzmessung. Sie erfasst die elektrische Leitfähigkeit im Inneren der Speiseröhre. Diese verändert sich je nachdem, ob Flüssigkeit, Brei oder feste Nahrung transportiert wird. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel erkennen, wenn Flüssigkeiten problemlos passieren, feste Nahrung jedoch hängen bleibt – ein typisches frühes Warnzeichen bestimmter Erkrankungen der Speiseröhre.
„Durch die Kombination aus Druckmessung und Impedanzanalyse können wir Funktionsstörungen deutlich früher unterscheiden und gezielt behandeln“, erklärt Chefarzt und Gastroenterologe Dr. Carsten Triller. „So lassen sich mögliche Schäden an der Muskulatur der Speiseröhre oft vermeiden.“
Expertise im Bereich Neurogastroenterologie weiter ausgebaut
Parallel zur technischen Erweiterung wächst auch das Spezialteam im Bereich Neurogastroenterologie und Motilitätsstörungen – also Erkrankungen, bei denen die Bewegungsabläufe des Verdauungstraktes gestört sind.
Neben Chefarzt Dr. Triller verstärkt seit Kurzem Oberärztin Frau Kutsch, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie, die Abteilung. Beide sind von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zertifiziert und verfügen über besondere Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Funktionsstörungen der Speiseröhre.
Moderne Therapie – oft ohne Operation möglich
Auch therapeutisch hat sich in den vergangenen Jahren viel entwickelt. Viele Erkrankungen der Speiseröhre, die früher eine Operation erforderten, können heute minimalinvasiv – also besonders schonend – endoskopisch behandelt werden.
In enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und der Logopädie werden Schluckstörungen im Krankenhaus Heinsberg interdisziplinär betreut. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der modernen Endoskopie. So können unter anderem behandelt Verengungen der Speiseröhre, krampfartige Bewegungsstörungen der Speiseröhrenmuskulatur oder schwere Passagestörungen wie die Achalasie werden.
Zum Einsatz kommt dabei unter anderem das sogenannte POEM-Verfahren (Perorale Endoskopische Myotomie). Dabei wird über ein Endoskop die verkrampfte Muskulatur der Speiseröhre gezielt gelöst – ganz ohne äußeren Schnitt.
Schluckstörungen im Alter zunehmend
Schluckstörungen treten bei älteren Menschen aufgrund von Veränderungen der Muskulatur und Nervenfunktionen tendenziell häufiger auf. Mit der neuen Messmethode wird insbesondere die Bewegung der Speiseröhre in Höhe des Rachenraumes zum Zeitpunkt des Einschluckens deutlich besser abgebildet als mit herkömmlichen Methoden. So können Schluckstörungen in Ergänzung zur Logopädie deutlich genauer untersucht und dann gezielter behandelt werden, um damit die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
Fortschritt für Patientinnen und Patienten in der Region
Die Einführung der neuen Diagnostik zeigt, wie sehr sich die medizinischen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Oder, um noch einmal Heraklit zu zitieren: „Alles fließt.“ Nicht nur das Leben verändert sich – auch die Medizin entwickelt sich stetig weiter. Von präziserer Diagnostik und schonenderen Behandlungsmethoden profitieren die Patientinnen und Patienten in Heinsberg und der gesamten Region.
Quelle: PM Krankenhaus Heinsberg














