Flachs ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wird als Ölfrucht, Heilpflanze und als Material für Leinen genutzt. Im beschaulichen Beeck, heute ein Ortsteil von Wegberg im Kreis Heinsberg, lebte einst der Flachsanbau in blühender Pracht. Die Felder funkelten im Sommer blau – sodass das Dorf im Volksmund liebevoll „Flaasbeek“ genannt wurde. Genau dieses Erbe bewahrt das Flachsmuseum in Wegberg-Beeck.
Geschichte & Gebäude
Das Museum entstand 1982 durch den Heimatverein Wegberg-Beeck in einer ehemaligen Schmiede. Mehrere Jahre später wurde eine Zehntscheune restauriert und ausgebaut – seither können Besucher in historischer Atmosphäre die Flachsverarbeitung hautnah erleben.
Die Flachs- und Leinenproduktion im westlichsten Zipfel Deutschlands
Im westlichsten Zipfel Deutschlands, insbesondere in der Region rund um Heinsberg und Selfkant, hatte die Flachs- und Leinenproduktion über Jahrhunderte eine große wirtschaftliche Bedeutung. Auf den nährstoffreichen Böden der Niederrheinischen Bucht wurde Flachs angebaut – eine anspruchsvolle Pflanze, die einst zu den wichtigsten Rohstoffen für die Textilherstellung gehörte.
Die Verarbeitung des Flachses zu Leinen erfolgte größtenteils in Handarbeit: Nach dem Rösten, Brechen und Hecheln wurde die Faser zu Garn versponnen und in Heimarbeit oder kleinen Manufakturen zu Leinentuchen gewebt. Vor allem im 18. und frühen 19. Jahrhundert bildete das Leinenhandwerk ein zentrales Standbein der ländlichen Wirtschaft. Der Handel mit Leinen florierte auch überregional, da das robuste Gewebe vielseitig einsetzbar war.
Doch mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann der Niedergang dieser traditionellen Produktion. Die aufkommenden mechanischen Spinnereien und Webereien in anderen Teilen Europas – insbesondere in England und im Rheinland – konnten deutlich günstiger und effizienter produzieren. Zugleich verdrängten billige Baumwolle aus den USA und später Kunstfasern zunehmend das Leinen. Die arbeitsintensive Flachsverarbeitung war gegenüber der industriellen Massenproduktion nicht mehr konkurrenzfähig.
Spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts kam der Flachsanbau und die Leinenproduktion in der Region endgültig zum Erliegen. Heute erinnert nur noch wenig an dieses bedeutende Kapitel regionaler Wirtschafts- und Kulturgeschichte – abgesehen von einzelnen Museumsinitiativen und Flurnamen, die auf das einst florierende Handwerk hinweisen.
Erlebnis Flachs – von der Saat bis zum Leinen
Wie aus holzigen Stängeln strapazierfähiges Leinen entsteht? Besucher erfahren es im Flachsmuseum Schritt für Schritt:
• Säen & Ernten – gemeinsam mit Schulkindern erfolgt alljährlich die Aussaat im Museumsgarten.
• Riffeln, Brechen, Hecheln, Spinnen & Weben – erfahrene Führer zeigen Arbeitstechniken an originalen Geräten.
• Werkstatt & Museumsshop – im „Leinenlädchen“ gibt’s Tischwäsche, Servietten und ausgewählte Leinenwaren.
• Flachsdiplom – wer alles mitmacht und selber an den Gerätren arbeitet, erhält eine Urkunde – beliebt bei Schulklassen, Gruppen oder Einzelbesuchern.
Warum sich ein Besuch lohnt
• Wissen greifbar erleben – statt trockener Texte lernt man Flachsanbau mit allen Sinnen kennen.
• Tradition & Nachhaltigkeit – Flachs als umweltfreundliches, vielseitiges Naturprodukt gewinnt heute wieder Bedeutung. Die Ausstellung „Flachs 2000 – zurück für die Zukunft“ zeugt davon.
• Geselligkeit & Gemeinschaft – Events wie Frühschoppen, Konzerte und Backtage bieten kulturelle Begegnungen.
• Regionale Verbundenheit – Kooperationen mit der Schrofmühle und regionalen Bildungsstätten stärken Heimatbewusstsein.
Das Flachsmuseum Beeck ist kein klassisches Ausstellungsobjekt, sondern ein lebendiger Lernort mit Tradition. Es verbindet Kultur, Handwerk und Gemeinschaft – und zeigt, dass selbst vergessene Pflanzen wie Flachs heute noch „Blaue Wunder“ bereiten können. Wer nach einem besonderen Sonntagsziel sucht, findet hier Wissenswertes, Lebensfreude und Blaublüten-Faszination ganz nah.
Praktische Infos:
• Öffnungszeiten: sonntags 14–17 Uhr von Mitte März bis Ende Oktober, Eintritt frei
• Führungen: ganzjährig für Gruppen ab 10 Personen, auch an anderen Tagen buchbar – teilweise mit Kaffee & Kuchen oder rheinischer Kaffeetafel. Buchungen unter 015237805636
• Barrierefrei & kinderfreundlich: Erdgeschoss rollstuhlgerecht, viele Mitmachstationen, Infotafeln in einfacher Sprache, Erklärvideos in deutsch, niederländisch und englisch. Behinderten-WC
• Zusatzprogramm: Museumsgarten mit Flachs- und Färbergarten, Backestage mit frisch gebackenem Brot und Flammkuchen, musikalische Events, Mundartnachmittage, Frühschoppen, Flachstag, u.v.m.
Flachsmuseum
Holtumer Straße 19 | 41844 Wegberg
Tel. 0 24 34 - 926315 |
www.beecker-erlebnismuseen.de
(VM/KAM3)



