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Lebenshilfe Heinsberg erweitert ihr Angebot in der Tiergestützten Intervention

Foto: Lebenshilfe Heinsberg

Nur Therapiehund Maya schafft es, dass sich Yves auf seine Umgebung - und auch die Menschen um ihn herum - einlässt. Mit Maya kann Autismuspädagogin Sarah Jaschok Interaktionsräume erweitern und mit Yves intensiv arbeiten.


Heinsberg. Die Tür zum Therapieraum öffnet sich, man hört ein leises Rollen bunter Bälle im Raum. Hier wartet die lebhafte junge Hündin Maya auf ihren ersten Arbeitstag. Gemeinsam mit ihrer Hundeführerin Sarah Jaschok hat sie in den vergangenen sechs Monaten eine umfassende Ausbildung zum Therapiebegleithunde-Team absolviert.

Sarah Jaschok ist Autismuspädagogin und arbeitet seit zwei Jahren im Autismuszentrum KompASS der Lebenshilfe Heinsberg. Schon früh entstand bei ihr der Wunsch, ihre pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus dem Autismus-Spektrum durch tiergestützte Interventionen zu erweitern. Nun beginnt für sie und Maya der erste gemeinsame Einsatz in der Förderung.

Der erste Klient an diesem Tag ist Yves, ein zurückhaltender Junge mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. Maya stupst vorsichtig einen leuchtenden Ball vor sich her. Nur Sekunden vergehen – dann passiert etwas Bemerkenswertes: Yves greift nach dem Ball. Sein Blick löst sich von der Wand, sein Körper entspannt sich, und er folgt den Anweisungen von Sarah. Wo sonst oft Stille in der Begegnung mit seiner Umwelt herrscht, entwickelt sich ein Lachen. In der Gegenwart von Maya scheint ein Damm zu brechen. In der entschiedenen, zugleich behutsamen Interaktion mit dem Hund und der Autismuspädagogin zeigt sich langsam Bewegung in Yves Verhalten – und eine vorsichtige Auseinandersetzung mit seiner Umwelt.

„Was hier so erstaunlich natürlich wirkt, ist kein Zufall“, erklärt Claudia Peter-Plum. Die Ergotherapeutin ist seit vielen Jahren auf tiergestützte Intervention spezialisiert und bildet Pädagoginnen und Therapeuten gemeinsam mit ihren vierbeinigen Begleitern aus. In rund sechs Monaten und etwa 170 Theorie- und Praxisstunden werden Mensch-Hund-Teams zu Therapie- oder Pädagogik-Begleithunden qualifiziert. „Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt dabei immer auf der fachlichen Qualifikation der Hundeführerinnen und Hundeführer“, betont Peter-Plum.

„Tiergestützte Interventionen – insbesondere in Pädagogik und Therapie – nutzen die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier, um sozialen Kontakt, Wahrnehmung, Kommunikation und Vertrauen zu fördern“, so Peter-Plum weiter. Gerade in Bereichen mit eingeschränkter verbaler Kommunikation, wie im Autismus-Spektrum, kann die Präsenz eines Hundes eine spürbar entlastende Wirkung entfalten. „Tiere können nonverbal Brücken bauen – sie wecken Neugier, ermöglichen Nähe ohne Druck oder geben Sicherheit in herausfordernden Situationen. Konkret kann das bedeuten: Mit dem Hund bin ich oft schneller an meinem Förderziel.“ Ihre Erfahrungen aus rund 15 Jahren spezialisierter Arbeit in der tiergestützten Intervention gibt Claudia Peter-Plum heute in der renommierten Weiterbildung „Tiergestützt mit HUND“ weiter.

Bevor eine Ausbildung beginnt, wird ein umfassender Eignungs-Check durchgeführt. Dabei wird die Beziehung zwischen Mensch und Hund genau betrachtet, um sicherzustellen, dass beide Freude, Motivation und die notwendigen Voraussetzungen für eine gemeinsame TGI-Arbeit mitbringen. „Die Grundlage jeder tiergestützten Intervention ist eine stabile, auf Vertrauen basierende Bindung zwischen Mensch und Hund. Positive Verstärkung und ein respektvoller, achtsamer Umgang mit dem Tier stehen dabei immer im Mittelpunkt“, erläutert Claudia Peter-Plum.

Neben theoretischen Grundlagen – etwa zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Tierschutz, Hygiene und Prophylaxe, dem Lesen von Hundeverhalten sowie Erster Hilfe am Hund – üben die Teilnehmenden ihre Arbeit in intensiven praktischen Trainings. Fallbeispiele, reale Einsatzkontakte und Videotrainings vermitteln die notwendige Sicherheit für den späteren Einsatz. Mit einer abschließenden Prüfung, bestehend aus Facharbeit und Praxisanalyse, erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, das sie zur qualifizierten tiergestützten Arbeit in ihrem Fachbereich befähigt. Schließlich muss auch das Veterinäramt seine Zustimmung geben, dann darf der Hund in die professionelle Förderung eingebunden werden.

Innerhalb der hundegstützten Ergotherapie bei der Lebenshilfe Heinsberg legt Claudia Peter-Plum großen Wert auf Werte wie Respekt, Achtsamkeit und Sicherheit im Umgang mit dem Tier. „Ein Therapiebegleithund muss nicht einfach funktionieren. Er ist ein fühlendes Wesen mit individuellen Bedürfnissen. Nur ein Hund, der sich wohlfühlt, kann nachhaltige positive Effekte in pädagogischen oder therapeutischen Situationen entfalten.“

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Gestaltung der Therapieräume wider. Hund und Klient lernen, die verschiedenen Zonen im Raum zu respektieren.  „Wenn mein Begleithund Bodhi neugierig ist und den Klienten kennenlernen möchte und dieser das auch möchte, geht er langsam auf ihn zu. Das Kennenlernen bestimmen immer beide Seiten. Wenn Bodhi gerade nicht im Mittelpunkt steht, legt er sich auf seine Hundedecke. Er kann gerufen werden oder der Klient kann ihn dort besuchen. Die Hundebox allerdings ist sein klarer Rückzugsort. Benötigt Bohdi eine Pause, dann wissen Hund, Hundeführerin und auch die Klientinnen und Klienten, dass er dort nicht gestört wird.“ Der Rückzugort ist der wichtigste Platz innerhalb eines hundegstützen Einsatzes. Ein gute eingespieltes Mensch-Hund-Team versteht sich blind. Das Erkennen der Körpersprache des eigenen Hundes ist Voraussetzung, um den Hund tierschutzkonform einzusetzen und seine Bedürfnisse im Blick zu haben. Nur ein Hund der sich wohl fühlt, kann im Einsatz auch positives weitergeben und bewirken.

Der Einsatz tiergestützter Interventionen ist bei der Lebenshilfe Heinsberg konzeptionell eingebettet und erfolgt unter klaren fachlichen Rahmenbedingungen. Nur ausgebildete Mensch-Hunde-Teams dürfen Hund gestützt arbeiten.  Ziel ist es, sowohl die Qualität der pädagogischen Arbeit als auch den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere dauerhaft sicherzustellen, so Claudia Peter-Plum: "Mit Herz, Geduld und professioneller Vorbereitung entstehen so förderliche Rahmenbedingungen, in denen Mensch und Hund gemeinsam wachsen können – zum Wohle der anvertrauten Kinder und Jugendlichen."


INFOBOX
Therapiepraxis der Lebenshilfe Heinsberg: In der Therapiepraxis der Lebenshilfe Heinsberg arbeiten interdisziplinäre Fachkräfte aus Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie, um Kinder, Jugendliche und Erwachsene individuell und ganzheitlich zu fördern.

Autismuszentrum KompASS: Das Autismuszentrum KompASS der Lebenshilfe Heinsberg begleitet Kinder, Jugendliche und deren Familien mit fachlich fundierten, alltagsnahen Angeboten im Autismus-Spektrum.

Quelle: PM / Red.


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