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Kreis Heinsberg & Region

Eine Pionierin der ersten Stunde – Gisela Johlke erinnert sich an die Anfänge der Lebenshilfe Heinsberg zurück

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    Neben der beruflichen Förderung organisierte Gisela Johlke auch Ausflüge und Ferienfreizeiten an die Nordsee für ihre Mitarbeiter

    (Foto: Lebenshilfe Heinsberg)

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    Erste Arbeitsaufträge für die ersten Beschäftigten der Anlernwerkstatt, dem Vorläufer der späteren Werkstatt für Menschen mit Behinderung

    (Foto: Lebenshilfe Heinsberg) 

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    Gisela Johlke blickt zurück auf ein ereignisreiches Laben, das sie sehr mit der Lebenshilfe Heinsberg verbindet

    (Foto: Lebenshilfe Heinsberg) 

 

Heinsberg. Vor 60 Jahren gründeten junge Eltern im Kreis Heinsberg die Lebenshilfe Heinsberg, um die Förderung ihrer Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung selbst in die Hand zu nehmen. Bereits ein Jahr später eröffneten sie eine Tagesbildungsstätte für junge Menschen in der alten Volksschule in Oberbruch eröffnete, konnte niemand ahnen, welche Entwicklung diese Elterninitiative einmal nehmen würde. Zwei Jahre später, 1968, begann dort eine junge Frau aus Oberbruch ihre Arbeit: Gisela Johlke blickt heute auf ein Leben zurück, das eng mit der Geschichte der Behindertenhilfe im Kreis Heinsberg verbunden ist. 

Kurz vor Kriegsende im Januar 1945 wurde Gisela Johlke in Kolberg/Pommern geboren. Sie war fünf Jahre alt, als ihre Familie in den Westen floh. In Oberbruch bauten ihre Eltern eine neue Existenz auf. Ihre Kindheit war nicht einfach, erinnert sich Gisela Johlke zurück: „Ich spürte früh, dass wir anders behandelt wurden. Denn wir kamen nicht von hier. Und evangelische Christen waren in der Heinsberger Region selten. Sogar in der Schule in Oberbruch wurden wir evangelischen Kinder in einer separaten Klasse unterrichtet. So erlebte ich früh, was es heißt, ausgegrenzt zu sein.“ 

Nach ihrer ersten Ausbildung zur Großhandelskauffrau arbeitete sie zunächst einige Jahre als kaufmännische Angestellte. Doch das machte sie nicht glücklich. Bald merkte sie, dass sie eine Tätigkeit suchte, die näher am Menschen ist. Sie entschied sich für eine zweite Ausbildung und wurde Erzieherin in der Trägerschaft der Diakonie – eine Entscheidung, die ihren weiteren Lebensweg prägen sollte. 

1968 erfuhr sie von einer freien Arbeitsstelle in der neuen Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe Heinsberg, welche grade erst in ihrer alten Schule eingerichtet worden war. „Das fühlte sich irgendwie verrückt an, wieder zurück zu kommen an den alten Ort, an dem ich mich als Schulkind ausgesondert gefühlt hatte.“ Gisela Johlke wuchs in einer Zeit auf, in der Menschen mit Behinderung im gesellschaftlichen Alltag kaum sichtbar waren. Viel konnte sie sich nicht unter einer Tagesbildungsstätte vorstellen. Aber die Arbeit mit Menschen mit Behinderung gefiel ihr auf Anhieb: „Da wurde Pionierarbeit geleistet. Vieles musste improvisiert werden, Strukturen entstanden erst nach und nach.“ Die zweijährige, berufsbegleitende Ausbildung mit erfolgreichem Abschluss beim Bezirksamt für das Lehramt an Sonderschulen in Köln war in der Anfangsphase sehr hilfreich. Gisela Johlke übernahm schnell Verantwortung und leitete bald die Anlernwerkstatt für die älteren Schülerinnen und Schüler. 

Doch die Organisation von Arbeitsangeboten war ihr nicht genug. „Ich wollte den Menschen nicht nur sinnvolle Arbeitsangebote ermöglichen, ich wollte auch die Freizeitgestaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgestalten und Wünsche ermöglichen auch außerhalb der Familie“, erinnert sie sich. Aus dieser Idee entstand der Freizeitclub „Treffpunkt“, der bis heute unter dem Dach des Familienunterstützenden Dienstes der Lebenshilfe Heinsberg vielfältige Freizeitangebote organisiert. 

Gemeinsam mit den Beschäftigten entwickelte sie ein buntes Programm: Koch- Bastel-, Spiel-und Tanzangebote, Ausflüge in die Region und sogar Reisen bis an die Nordsee. „Die Zeit damals war wunderschön. Wir haben die Menschen nach ihren Interessen und Wünschen befragt und ein buntes Freizeitprogramm mit vielen Ideen entwickelt“, erzählt Gisela Johlke. 

Ihre Kreativität kannte dabei kaum Grenzen. 1971 absolvierte sie sogar einen Film-Vorführschein, um für die Beschäftigten der Anlernwerkstatt regelmäßige Kinovorstellungen zu organisieren – für viele ein besonderes Erlebnis in einer Zeit, in der Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung noch selten waren. 

Nach sieben Jahren wollte Gisela Johlke noch mehr lernen: Sie absolvierte eine heilpädagogische Ausbildung in Dortmund, leitete anschließend viele Jahre einen Sonderkindergarten in Düren und studierte 1990 schließlich Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule Aachen, das sie mit dem Diplom abschloss. Doch die Verbindung zur Lebenshilfe riss nie ab. 

1993 kehrte sie zurück und übernahm eine neue Aufgabe: Sie baute den Betreuungsverein der Lebenshilfe für den Kreis Heinsberg auf. Damit setzte sie ihre Arbeit für Menschen mit Behinderung und ihre Familien auf eine neue Weise fort – nun stärker in der rechtlichen und sozialen Unterstützung. 

Heute ist Gisela Johlke 81 Jahre alt und lebt mit ihrem Ehemann am Rand der Stadt Heinsberg. Die Entwicklung der Lebenshilfe verfolgt sie weiterhin mit großem Interesse. Dass aus der kleinen Elterninitiative von damals ein Netzwerk mit rund 50 Standorten im Kreis Heinsberg geworden ist, in dem rund 2500 Kinder, Jugendliche oder erwachsene Menschen begleiten und gefördert werden, erfüllt sie mit Freude: „Ich wünsche mir, dass die Arbeit für Menschen mit Behinderung auch in Zukunft von Engagement, Respekt und Menschlichkeit getragen wird – so wie in den ersten Jahren, als alles begann. Dafür wünsche ich der Lebenshilfe vor allem engagierte Menschen, deren Arbeit wertgeschätzt wird.“

Ihre Erinnerungen hat die Lebenshilfe Heinsberg in einer ihrer Podcast-Folgen „schon gehört…?“ festgehalten, welche auf der Webseite oder auf Spotify zu finden ist: www.lebenshilfe-heinsberg.de 

Quelle: PM Lebenshilfe Heinsberg

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