Lebenshilfe Heinsberg und DeinWerk gGmbH entwerfen Parkbank

Region. Sie sieht anders aus als gewöhnlich, man kann auf ihr Platz nehmen, sie weist gleichzeitig aber auch darauf hin, dass für Ausgrenzung kein Platz ist: Die Parkbank gegen Ausgrenzung hat eine Projektgruppe der Lebenshilfe Heinsberg als Raum- und Diskussionsobjekt entworfen. Sie hat rechts keine Sitzfläche und trägt auf der verlängerten Rückenlehne die Aufschrift Kein Platz für Ausgrenzung.

„Wir erleben Ausgrenzung in unserer Gesellschaft auf vielfältige Weise, nicht nur am rechten Rand“, erläutert Georg Kohlen, verantwortlich für das von der Aktion Mensch geförderten Projektes Kultur ohne Barrieren der Lebenshilfe Heinsberg. Laut einer Studie der Anti-Diskriminierungs-Stelle aus dem Jahr 2016 hat jede dritte Person in Deutschland schon einmal Ausgrenzung erlebt, etwa wegen Krankheit, Behinderung oder Armut, wegen Obdachlosigkeit, sexueller Orientierung, Religion oder Hautfarbe.
„Ausgrenzung beginnt im Alltag“, so Georg Kohlen, „Menschen definieren sich häufig durch Abgrenzung von anderen. Aussagen wie so wie der will ich nicht leben oder der ist doch nicht normal hat fast jeder von uns schon einmal gedacht oder ausgesprochen.“ Im Alltag sei die Gefahr groß, dass die Grenze zwischen individueller Abgrenzung und mitmenschlicher Ausgrenzung verschwimme. „Mit der Parkbank wollen wir ein weithin sichtbares Zeichen im Kreis Heinsberg setzen“, sagt Andre Krings, Mitarbeiter der Lebenshilfe Werkstätten und Teilnehmer der Projektgruppe. So entstand die Parkbank als Raum- und Diskussionsobjekt, die in der Schreinerei der DeinWerk gGmbH entworfen wurde und mit Förderung durch den Kreis Heinsberg und „NRWeltoffen“ in Kleinserie produziert wird. 20 Schulen und jede Kommune im Kreis Heinsberg erhalten kostenlos eine Bank, deren Produktion wird über die Förderung finanziert.

Gemeinsam mit dem Kölner Fotografen Matthias Jung realisierte die Projektgruppe darüber hinaus ein Fotoprojekt: Über 30 Menschen aus dem Kreis Heinsberg nahmen auf der Bank Platz und wurden abgelichtet, so unter anderem Nonnen im Braunsrather Kloster Maria Lind, einen Niederländer an der Grenze, einen Gefangenen der JVA Heinsberg, einen Bewohner des Erkelenzer Hospiz, einen Brigadegeneral der Bundeswehr, eine Frau, die auf den Rollstuhl angewiesen ist oder eine Freundin der von den Nationalsozialisten ermordeten Jüdin Anita Lichtenstein. „Die Fotografien zeigen Einblicke in die vielfältigen, kleinen Welten unserer Region und ermöglichen neue Perspektiven auf Mitmenschen in unserer Heimat“, sagt Andre Krings. Eine Ausstellung mit den großformatigen Fotografien und ein Bildband sind in Vorbereitung. Landrat Stephan Pusch hat dafür die Schirmherrschaft übernommen. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie haben viele Menschen im damaligen „Hotspot“ Kreis Heinsberg erfahren, was Ausgrenzung bedeutet. Stephan Pusch wurde deutschlandweit bekannt für sein Statement: „Das Medikament heißt Solidarität und nicht Ausgrenzung.“

Die Lebenshilfe Heinsberg möchte die Bank als Zeichen gegen Ausgrenzung kreisweit etablieren und ruft Firmen- und Privatkunden auf, eine Bank für soziale oder öffentliche Einrichtungen ihrer Wahl zu stiften. Die Bank kann zudem käuflich erworben werden zum Selbstkostenpreis von 350 Euro inkl. Mehrwertsteuer.

Mehr Informationen im Internet: www.lebenshilfe-heinsberg.de, Bestellungen telefonisch: 02452 9509115 oder per E-Mail info@deinwerk-heinsberg.de

 

Bildunterschrift: Eduard Maier und Jens Sökefeld (li.) sind zwei von rund  30 Mitarbeitern der Schreinerei der DeinWerk gGmbH, eine Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung in Trägerschaft der Lebenshilfe Heinsberg. Sie fertigen die Bank gegen Ausgrenzung und sind stolz darauf, ein sichtbares Zeichen gegen Vorurteile und Ablehnung zu setzen.