Am Ende bleibt mehr Zeit für den Patienten

Der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung in der Pflege: Der ambulante Pflegedienst der Heinrichs Gruppe, die SZB Häusliche Krankenpflege, testet derzeit eine komplette telemedizinische Ausrüstung.

Kreis Heinsberg. Volle Wartezimmer beim Arzt – könnten Geschichte sein. Anrufe, um Laborergebnisse zu erfragen – könnten Geschichte sein. Klinikaufenthalte für die richtige Medikamentation – könnten Geschichte sein.

Anja Dragstra, 56 Jahre alt und Mitarbeiterin der SZB Häuslichen Krankenpflege, testet momentan das Equipment eines Telemedizinherstellers aus Aachen. Laptop, Kamera, Mikrofon, elektronisches EKG-Gerät, Blutdruckmessgerät und Stethoskop. Diese kann je nach Anbieter und Wunsch des Arztes ergänzt oder geändert werden.

Anja Dragstra ist gelernte Krankenschwester mit langjähriger Erfahrung in der Intensivmedizin. Bei der Heinrichs Gruppe umfasst ihr Aufgabengebiet weit mehr: Sie besucht neue Patienten, schätzt ihre Pflegesituation ein, untersucht die Patienten, stellt Fragen zu ihrer Zufriedenheit, erfasst sowohl medizinische als auch persönliche Daten, hält Rücksprache mit dem Hausarzt oder Krankenhaus, informiert die Pflegedienstleitungen der SZB Häuslichen Krankenpflege über das Befinden des Patienten und vieles mehr.

Somit ist sie einerseits Schnittstelle zwischen Patient und Arzt, andererseits zwischen Patient und Pflegefachkraft. Das macht sie zu einer sehr wertvollen Mitarbeiterin für alle Seiten. Was für Anja Dragstra und ihre Tätigkeit wiederum sehr wertvoll ist: Zeit. Manchmal verbringt die 56-Jährige eine Stunde lang im

Wartezimmer eines Arztes, um die Verbesserung der Wundversorgung zu besprechen. „Zeit, die ich definitiv sinnvoller nutzen könnte“, sagt sie.

Und genau hier setzt die Telemedizin an. Dank des Laptops kann sich Anja Dragstra direkt mit dem Arzt unterhalten, via Videokonferenz. Sie überträgt das Ergebnis des EKGs direkt in den Computer, der Arzt hat in Echtzeit Zugriff darauf. Die Beschwerden des Patienten kann sie dem Arzt direkt schildern, oder der Patient schildert es dem Arzt selbst. „Die Möglichkeiten der Telemedizin kennt kaum Grenzen. Wir stehen deshalb im engen Austausch mit Ärzten aus dem Kreis Heinsberg“, sagt Heinz-Josef Schürgers, Dipl.-Ing. und Telemedizin-Projektleiter der Heinrichs Gruppe. „Manche Ärzte haben schon investiert und wollen die Telemedizin nutzen, weshalb die Heinrichs Gruppe an dieser Neuerung aktiv mitwirken möchte, um damit gemeinsam die Schnittstellen deutlich zu verbessern.“

Anja Dragstra hat das Equipment bei mehreren Patienten getestet und ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Probleme gab es einmal, weil die Internetverbindung nicht ausgereicht hat.“ Damit also das leere Wartezimmer keine Zukunftsmusik bleibt, liegt es auch an der Politik, für einen flächendeckenden Netzausbau zu sorgen.

IE