Wenn der Arzt per Videokamera ins Pflegeheim kommt

Die Heinrich Gruppe beteiligt sich als einer der ersten Pflegedienstleister im Kreis Heinsberg an einem telemedizinischen Verfahren, um Menschen mehr Lebensqualität zu bieten.

Kreis Heinsberg. Seit fast vier Wochen steht Werner Neumann (Name geändert)  jeden Tag im Rampenlicht. Morgens um acht Uhr das erste Mal: „Über einen kleinen Sender am Handgelenk schalte ich bei mir im Zimmer des Pflegeheims die Video-Kamera ein“, berichtet der 73-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Aus einem Lautsprecher ertönt die Stimme seines behandelnden Neurologen. „Setzen Sie sich bitte vor der Kamera auf einen Stuhl und drehen Sie Ihre Hand, als ob Sie eine Glühbirne einschrauben würden. Erst rechts, dann links.“

Die Heinrichs Gruppe ist einer der ersten Pflegedienstleister im Kreis Heinsberg, der sich an einem telemedizinischen Verfahren beteiligt. Welche Krankheitsbilder in Frage kommen, wird gerade geprüft – unter anderem spielen Parkinson und Demenz dabei eine große Rolle. Neben der Heinrichs Gruppe beteiligen sich die Uni Düsseldorf, die Medizinische Videobeobachtung GmbH aus Koblenz und mehrere Ärzte aus der Region an dem Verfahren.

Werner Neumann leidet seit acht Jahren an Parkinson. Die Krankheit gilt in Deutschland nach Alzheimer als zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, rund 400.000 Menschen sind betroffen. In den Einrichtungen der Heinrichs Gruppe leben rund 30 Menschen, die an Parkinson leiden. Anfangs lassen sich die Symptome noch gut mit wenigen Medikamenten lindern, im Spätstadium hilft nur noch eine große Bandbreite an Arzneimitteln. Patienten wie Werner Neumann nehmen täglich bis zu acht verschiedene Präparate ein. Doch hier beginnt das Problem: Die Feinabstimmung der diversen Wirkstoffe ist so schwierig, dass sie bislang fast nur im Rahmen eines mehrwöchigen Krankenhausaufenthalts erfolgte. „Aus unserer Sicht ist aber entscheidend, wie der Kranke im Alltag zurechtkommt. Deshalb wollen wir ihn auch dort sehen und beurteilen“, argumentiert sein Neurologe. Es kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die Patienten sollen aktiv jederzeit demonstrieren können, bei welcher Gelegenheit und bei welchen Situationen sie über den Tag Probleme haben.

„Die Ärzte, die das System entwickelten, haben die Technik bewusst sehr einfach gehalten“, sagt Heinz-Josef Schürgers, Dipl.-Ing. und zuständiger Telemedizin-Projektleiter der Heinrichs Gruppe. „Der Benutzer kann die Kamera jederzeit anschalten, wenn er gerade auffällige Symptome an sich beobachtet. Über Lautsprecher erhält er genaue Anweisungen, welche Bewegungen er ausführen muss.“ Nachts werden dann die Aufnahmen verschlüsselt über eine spezielle LTE-Netzverbindung zum einen an den behandelnden Neurologen übermittelt, zum anderen aber auch immer an die Uniklink Düsseldorf. Anschließend findet unter den behandelnden Ärzten ein Austausch statt.

Vier Wochen dauert die Beobachtungszeit. Ob Werner Neumann während der vier Wochen den persönlichen Kontakt zum Arzt vermisst habe? „Nein“, sagt er. „Ich wurde während des Behandlungszeitraumes von einer sehr kompetenten Parkinson-Krankenschwester telefonisch begleitet und hatte eher das Gefühl, den Arzt ständig an meiner Seite zu haben.“ Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: Vor wenigen Wochen noch musste er die Beine beim Gehen nachziehen – ein typisches Parkinson-Problem. „Jetzt, nach der besseren Einstellung meiner Medikamente, kann ich deutlich besser laufen.“ Die Behandlungskosten für das Verfahren werden in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Die Heinrichs Gruppe unterstützt das telemedizinische Verfahren, um die Versorgung von den Bewohnern in den stationären Einrichtungen und Patienten der ambulanten Pflege zu optimieren. Mit Heinz-Josef Schürgers leistet sich das Unternehmen einen Ingenieur, der die vielfältigen technischen Möglichkeiten auf ihre Tauglichkeit überprüfen kann. Um Menschen wie Werner Neumann künftig mehr Lebensqualität bieten zu können.

Pressemitteilung Heinrichs Gruppe