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NATO-General beklagt "miserable" deutsche Infrastruktur

Foto: Halbseitig gesperrte Brücke (über dts Nachrichtenagentur)

Norfolk (dts Nachrichtenagentur). Der ranghöchste deutsche NATO-General und Vize-Kommandeur des NATO-Hauptquartiers Allied Command Transformation (ACT) in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia, Manfred Nielson, sieht vor der für 2021 geplanten NATO-Großübung "Steadfast Defender" in Europa erhebliche Defizite in der deutschen Infrastruktur. "Ich habe die Sorge, dass viele unserer Straßen und Brücken diesen Belastungen nicht gerecht werden", sagte Nielson der "Welt" (Mittwochsausgabe). Nun räche sich, "dass wir uns mehr als 20 Jahre um solche Aufgaben nicht ausreichend gekümmert haben", so der NATO-General weiter.
Man habe eine Infrastruktur, "die auch jenseits militärischer Bedürfnisse, teilweise wirklich miserabel ist". Für die Übung würden über 10.000 US-Soldaten und rund 1.100 gepanzerte und ungepanzerte Fahrzeuge an mehreren europäischen Häfen ankommen. Um militärische Fahrzeuge aus dem Norden in den Süden Deutschlands zu bewegen, müsse man "gezielt geeignete Brücken und Transportwege suchen".

Außerdem müsse jedes betroffene Bundesland die Transporte genehmigen. "Deswegen gilt ein Transport von Nord- nach Süddeutschland innerhalb von 30 Tagen als schnell", sagte Nielson der "Welt". Ähnlich sei es bei der Deutschen Bahn.

"Wenn wir mit nur fünf Tagen Vorwarnzeit Panzer und Fahrzeuge innerhalb Deutschlands transportieren wollen, kann die Bahn dies derzeit nicht leisten", so der ranghöchste deutsche NATO-General weiter. Aus all diesen Gründen sei es begrüßenswert, dass die EU ein Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der militärischen Mobilität lege. Nielson beklagte zudem, dass die NATO technologisch nicht auf der Höhe der Zeit sei.

"Amazon und Google geben den Takt vor, nicht die NATO. Wir haben vieles verschlafen", sagte Nielson. In Zeiten von künstlicher Intelligenz und Big Data seien private Unternehmen schneller, effektiver und flexibler als die NATO, sagte der Bundeswehr-Admiral. Die NATO müsse deshalb schneller agieren. "Bisher aber lieben wir unsere Prozesse und Verfahren. Die 29 NATO-Staaten entscheiden mit Einstimmigkeitsprinzip. Das raubt Zeit und kostet Stärke", sagte Nielson der "Welt".